Videotext - der veraltete Standard für TV-Zusatzinfos
Wissenswertes über Videotext
Foto: Videotext Übersicht / ARD
Kein Problem, denn ein einfacher Klick auf die Fernbedienung reicht aus um alle wichtigen Nachrichten aus der ganzen Welt zu erfahren.
Doch wie entstand der Videotext eigentlich, was macht ihn so besonders und wie sieht der Videotext der Zukunft aus? Lesen Sie hier mehr.
Entstehung des Videotextes
Der Beginn des Videotextes reicht bis zurück in die Siebziger Jahre. Damals wurde in den meisten Ländern Europas die analoge PAL-Fernsehtechnik verwendet. Bei PAL besteht das Bild aus 625 Zeilen, davon beinhalten allerdings nur 576 Zeilen Bildinformationen. Britische Wissenschaftler fanden heraus, dass in den Bildzeilen, in denen keine Bildinformationen enthalten sind (Austastlücken), andere digitale Informationen, wie z.B. Text, mit übertragen werden können. Diese werden dann vom Fernsehgerät ausgewertet und können zusätzlich zum Fernsehbild eingeblendet werden.
1975 war der Bayrische Rundfunk (BR) die erste deutsche Rundfunkanstalt, die eine Versuchsausstrahlung mit Videotext begann. Im Jahr 1977, auf der Internationalen Funkaustellung in Berlin, wurde dann auch der Videotext von ARD und ZDF zum ersten Mal vorgestellt. Dieser war in Seiten organisiert, wobei jede Seite 25 Zeilen mit je 40 Zeichen anzeigen konnte.
Was bietet der Videotext?
Mit einem Klick auf die Fernbedienung öffnet sich der Videotext und bietet etliche Zusatzinformationen als Text oder auch in grafischer Form. Jede Sendeanstalt erstellt ihren eigenen Videotext und entscheidet was auf den Seiten zu sehen ist. Seite 100 ist aber immer die Startseite. Alle anderen Seiten sind über die Angabe einer entsprechenden dreistelligen Zahl verfügbar. Zu Beginn wurden hauptsächlich die neusten Nachrichten aus Politik, Sport und Wirtschaft angezeigt aber auch Börsenkurse, Sportergebnisse, Wetterberichte und allerhand weitere Informationen. Seit 1980 sind über den Videotext auch Untertitel abrufbar. Sogar die ersten elektronischen Programmzeitschriften wurden auf den Seiten 300-399 des Videotextes angezeigt und bildeten somit die Vorläufer des heutigen EPG (Electronic Program Guide).
Technische Verbesserung des analogen Videotextes
Auch technisch verbesserte sich der Videotext im Laufe der Zeit. So wurde 1989 das TOP-System ("Table of Pages")
entwickelt. Dieses ermöglicht Zusatzinformationen zur Seitenstruktur, wodurch die Navigation durch Verwendung von vier
farbigen Tasten auf der Fernbedienung erleichtert werden konnte. Eine weitere Verbesserung war der Videotext im 2.5-Level
(Hi-Text). Dadurch wurden eine höhere Auflösung, mehr Farben und somit auch bessere Grafiken ermöglicht.

Vor- und Nachteile des analogen Videotextes
Die Vorteile des Videotextes liegen auf der Hand. Er macht Information aus der ganzen Welt schnell und einfach verfügbar.
Ein Klick auf die Fernbedienung und die Wahl der entsprechenden Text-Seiten reichen aus und die Informationen, die eine
eigene Redaktion jeden Tag erstellt, können abgerufen werden. Dabei kann der Videotext auch gleichzeitig mit dem Fernsehbild
angezeigt werden (Mixed Mode).
Es gibt allerdings nicht nur Vorteile. Eine Seite ist auf 25 Zeilen mit 40 Zeichen begrenzt. Dadurch wirken Text und Grafiken klötzchenartig. Außerdem dauert es manchmal etwas länger bis eine Seite aufgerufen wird. Das liegt daran, dass der komplette Videotext nur nach und nach in den Austastlücken der Fernsehbilder übertragen wird.
Vorteile des Videotextes im Überblick:
- Macht Information schnell und einfach verfügbar
- Zahlreiche, immer aktuelle Nachrichten aus allen Bereichen
- Rund um die Uhr abrufbar, zeitunabhängig
- Kurz und präzise
- Einfaches Aufrufen mit Knopfdruck
- Einfache Navigation durch vor- und zurückschalten der Videotextseiten
- Mixed Mode (Fernsehbild und Videotext gleichzeitig anzeigen)
Nachteile des Videotextes im Überblick:
- Begrenzter Platz auf einer Seite
- Klötzchengrafik und -text
- Manchmal langsames Aufrufen der Seiten (speziell bei eher
selten abgerufenen Seiten)
"Killerapplikation" Videotext
Der Videotext entwickelte sich immer weiter hin zu einer richtigen "Killerapplikation", die sich unter den Zuschauern an
immens großer Beliebtheit erfreut. Trotz seiner einfachen etwas altmodisch wirkenden Grafiken wurde der Videotext für die
Zuschauer zu einer unverzichtbaren Zusatzanwendung zum eigentlichen Fernsehen und gewinnt auch heute noch immer mehr Nutzer
hinzu. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, wurden auch immer mehr Inhalte geschaffen. Nahezu
alle Rundfunkanstalten, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, strahlen heutzutage ihren eigenen Videotext aus.
Der Videotext zu digitalen Zeiten
Mit der Umstellung von der analogen zur digitalen Technik kann der Videotext nicht mehr in der Austastlücke übertragen
werden, da es diese beim digitalen Fernsehen nicht mehr gibt. Doch deshalb muss niemand auf den Videotext verzichten, denn
dieser wird nur auf eine andere Art und Weise, nämlich als eigener Datenstrom neben den Video- und Audiodaten mit im Signal
transportiert.
Nachfolger des Videotextes: HbbTV®
Das neue "Hybrid Broadcast Broadband TV", kurz HbbTV® könnte den Videotext revolutionieren. Mittels HbbTV® sollen Inhalte
über mehrere Übertragungswege (hybrid) empfangbar sein. Deshalb baut HbbTV® auf vielen bereits existierenden Fernsehstandards
wie DVB aber auch Internet-Technologien wie HTML auf. So kann das Digital-Fernsehen mit Inhalten aus dem Internet kombiniert
werden. Mit einem einfachen Knopfdruck auf die so genannte "Red Button"-Taste lassen sich HTML-Seiten aufrufen. So könnte
der Videotext mit HTML neu erstellt werden, mit besserer Auflösung und Bildern oder sogar Videos.
Quelle: ARD.de Presse
Hinter HbbTV® steht eine Initiative mehrerer europäischer Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen. Dazu zählen unter anderem Astra, Eutelsat, das IRT (Institut für Rundfunktechnik), der führende französische Pay-TV Anbieter Canal+, LG, Sony, Phillips, Opera uvm. Der HbbTV® Standard liegt momentan beim Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) vor, und wird somit bald auch schon als europäischer Standard verabschiedet werden. Auf der internationalen Funkaustellung (IFA) in Berlin 2009 wurden am Stand der ARD erstmals HbbTV®-Anwendungen präsentiert. Auch erste HbbTV®-fähige Receiver sind schon in der Entwicklung. D.h., in nicht allzu ferner Zukunft könnte HbbTV® auch in die Haushalte vieler Millionen TV-Zuschauer gelangen…
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