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Interview mit Alexander Mogg von Roland Berger: „HbbTV® wird mittelfristig eine große Rolle in der TV-Landschaft spielen!“


Hybride TV Angebote sind ein Trendthema, was am newTV Kongress in Hamburg diese Tage bestätigt wurde. Wir konnten bereits mit Spezialisten der ARD und des IRT fachsimpeln, welche am Aufbau dieser Lösungen maßgeblich beteiligt sind. Nun wollten wir aber auch eine außenstehende Sicht auf dieses Thema.

Alexander Mogg ist prädestiniert dafür. Er ist Partner bei Roland Berger Strategy Consultants im Competence Center InfoCom und leitet dort die Practice Groups "Content & Media" sowie "Alternative Carrier". Seit 1996 ist er aktiv in der Unternehmensberatung. Er ist ein anerkannter Industrieexperte für New Media und Konvergenzthemen und auch ein gefragter Redner auf Kongressen.

Mogg bringt einen Diplom Ingenieurs Abschluss in Luft- und Raumfahrtechnik und einen MBA-Titel der Yale School of Management mit. Sein Beratungsschwerpunkt liegt auf der Strategieentwicklung, Marketing und Vertrieb, Unternehmenskäufen und -verkäufen sowie der Post Merger Integration.

Wir wollten von Alexander Mogg wissen, wie er die HbbTV®-Technologie insgesamt beurteilt, und in welche Richtung sich HbbTV® entwickeln wird.

HbbTV-Infos.de: Herr Mogg, vielen Dank für dieses Interview. Was ist in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt bereits möglich, wie können unsere Leser HbbTV® heute zu Hause nutzen? Soweit uns bekannt ist, gibt es derzeit nur einen Receiver von Humax, der die HbbTV®-Technologie unterstützt.

Alexander Mogg: Insgesamt lässt sich sagen, dass HbbTV® zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rolle im kommerziellen Markt spielt. Das liegt daran, dass die Technologie selbst einfach noch zu jung ist, und es nur wenige HbbTV®-fähige Endgeräte gibt. HbbTV®-Geräte oder Dienste werden außerdem momentan noch nicht aktiv vermarktet.

HbbTV-Infos.de: Wie beurteilen Sie die Zukunft von HbbTV®?

Alexander Mogg: HbbTV® ist eine sehr geeignete technologische Plattform, um netzunabhängige, interaktive Dienste anzubieten und zu transportieren. Meiner Meinung nach wird HbbTV® deshalb mittelfristig eine große Rolle bei sogenannten hybriden Lösungen, also bei Kombinationen aus Sat- und Breitband-Empfang, spielen. Auch eine Ausweitung der HbbTV®-Technologie auf den Mobilfunk ist denkbar. Langfristig kann HbbTV® auch im Bereich Kabelfernsehen eine Rolle spielen.

HbbTV-Infos.de: Handelt es sich bei HbbTV® also nur um eine Übergangslösung, die die Lücke zwischen klassischem Sat- und Kabelfernsehen solange überbrückt, bis IPTV in Deutschland flächendeckend zur Verfügung steht? Oder stellt HbbTV® langfristig gar eine ernst zunehmende Alternative zur IPTV-Technologie dar?

Alexander Mogg: HbbTV® und IPTV widersprechen sich nicht, vielmehr ergänzen sich die beiden Technologien. Überall dort, wo die Telekommunikationsnetze aus xDSL, Kabel und Mobilfunk nicht ausreichend leistungsfähig sind, um auch die Signale von linearen Kanälen übertragen zu können, macht eine Mischlösung durchaus Sinn. HbbTV® kann daher das Bindeglied zwischen kommenden DVB-X Standards der Zukunft (also auch einer weiterentwickelten DVB-T-Technologie) und IPTV/Web-TV sein.

HbbTV-Infos.de: Wer bietet in Deutschland HbbTV® an und welche Preismodelle kommen bei HbbTV® zum Einsatz?

Alexander Mogg: Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich diese Frage noch nicht eindeutig beantworten. In Deutschland bietet es sich allerdings an, dass die Anbieter von IPTV-Lösungen mit Anbietern von Sat-Lösungen gemeinsam über HbbTV®-Lösungen und -Angebote nachdenken. Anfangs wird es vor allem Kombinationen von eher traditionellen Preismodellen geben, sprich Kombinationen aus Free-TV-, Pay-TV- und Video-on-Demand (VOD)-Angeboten. Wenn sich HbbTV® dann jedoch erst einmal etabliert hat, könnten sich auch App-basierte Bezahlmodelle, wie sie momentan beispielsweise Apple für das iPhone anbietet, durchsetzen.

HbbTV-Infos.de: Für welche Marktteilnehmer ist HbbTV® überhaupt relevant, oder anders gefragt: Was halten die Programmanbieter, die Kabelnetzbetreiber und die Telekommunikationsunternehmen von HbbTV®?

Alexander Mogg: Für die Netzbetreiber stellt HbbTV® vor allem eine Ergänzung auf der Produktseite dar, darüber hinaus ermöglicht HbbTV® den Netzbetreibern eine Ausweitung ihrer Vermarktungsbasis. Für die TV-Sender ist HbbTV® die Chance, neue Content-Formate zu etablieren. Das wird jedoch sicherlich erst dann interessant, wenn HbbTV® über genug Reichweite verfügt – hier ergibt sich also unter Umständen ein „Henne/Ei-Problem“.

HbbTV-Infos.de: In der Vergangenheit gab es bereits ähnliche Versuche, interaktive und netzunabhängige (Fernseh-)Dienste zu etablieren (beispielsweise Betty und MHP). Diese Versuche waren nicht sehr erfolgreich. Was lief aus ihrer Sicht damals schief, und warum glauben Sie, dass der HbbTV®-Technologie nicht ein ähnliches Schicksal bevorsteht?

Alexander Mogg: MHP war der goldene Wasserhahn, sprich die Technologie war als Massenprodukt einfach zu mächtig und zu aufwendig. Betty hingegen scheiterte an der Bedienungskomplexität, die aus Sicht des Endverbrauchers in keinem Verhältnis zum Nutzen von Betty stand. Sowohl im Fall MHP als auch im Fall Betty war der gefühlte Mehrwert für den Endverbraucher einfach zu gering.

HbbTV-Infos.de: Herr Mogg, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

 


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Bild: Alexander Mogg von Roland Berger Strategy Consultants
März 2010